Dem Michi sein Geburtstagsgeschenk!

Ein etwas mysteriöser Post, der dem Neustart der Seifenkiste vorangeht, aber als Zusatz zum Geburtsttagsgeschenk – weil es der 50. ist – gibt es einen kleinen Sonderbeitrag zu den beiden kleinen Präsenten, die Andi und ich dem kleinen Geburtstagskind überreichen.
Ich habe geschenkemäßig mal tief in der deutschsprachigen und internationalen Rollenspielgeschichte gekramt, da Michael sich sowohl für Midgard als auch für die Geschichte des Rollenspiels im Allgemeinen interessiert:
Präsent Nummer 1 und ein kleiner Vorgeschmack ist der Sammelband „Fantasia 68-69„.
Dieser Sammelband erschien im Juli 1992, reicht aber viel, viel weiter zurück in die Geschichte des deutschsprachigen Rollenspiels, denn hier haben wir es mit zwei Magazinen des „ersten deutschen Fantasy Clubs“ zu tun – das ist der Laden, der auch Magira, die Protoversion von Midgard und Follow rausgebracht hat. Sooooowas von klassisch. 
Diese Ausgabe bietet ein paar coole Artikel, wie beispielsweise das Solo-Abenteuer „Burg Dunkelstein“ von Martin Metzler (mit satten 175 Abschnitten), ein Interview mit den Elfquest-Pinis oder einen echt gut recherchierten Beitrag zur Geschichte des Vampirfilms von Norbert Aichele.
Das Hauptgeschenk ist aber eine Ausgabe von „Chainmail„, dem Vorgänger von Dungeons & Dragons. Die Preisauszeichnung von 5 Dollar auf dem Cover scheint auf ein ziemlich lumpiges Geschenk hinzuweisen, aber wir hoffen, dass der Jubilar es trotzdem zu schätzen weiß.
Etwas präziser formuliert ist Chainmail ein mittelalterliches Miniaturenspiel von Gary Gygax und Jeff Perren, mit dem der neue Verlag „TSR Rules“ ordentlich durchstartete. Besonders an diesen Regeln waren die Seiten 28 bis 39, das legendäre „fantasy supplement“. Hier wurde nicht nur die Idee ausgeführt, keine Einheiten, sondern Einzelpersonen zu spielen, sondern es gab keine klassischen mittelalterlichen Militäreinheiten, sondern Hobbits, Elfen, Feen, Trolle…, die man ins Feld führen konnte – oder die als stimmungsvolle Gegner dienten.
Hobbits? Ja, diese Auflage hat noch Hobbits und Ents, bevor die Tolkien Estate unerbittlich zuschlug und TSR gerichtlich dazu zwang, die geschützten Wesen umzubenennen.
Jaaaaa, Rollenspiel-Geschichte pur und hier in der dritten Druckauflage von 1975.
Happy birthday, Michael und viel Spaß damit!!!

MIDGARD 5 – M5 – Es existiert tatsächlich!!!

Hammer! Ich habe es ja kaum glauben können, als in den von mir frequentierten Rollenspielkreisen vor der SPIEL in Essen langsam durchsickerte, dass es eine neue Version des „dienstältesten“ deutschen Rollenspiels (okay – des Rollenspiels zur dienstältesten originär deutschsprachigen Hintergrundwelt) geben werde – und das relativ zeitnah.
Miiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiidgaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaard!
Ich habe ja als Old-Schooler einen „soft spot“ für das System, das seit (gefühlt) 1834 ohne größere Regeländerungen in einem netten leicht verstaubten Flair daherkommt, aber immer irgendwie in der Rollenspielszene präsent ist und war daher etwas betrübt, den Midgard-Verlag auf den letzten beiden Spielemessen und ich meine zumindest auf der letzten RPC nicht mehr gesehen zu haben. So ging ich davon aus, dass Midgard, über kurz oder lang trotz einer immer noch recht aktiven Fanbase, den Weg alles Irdischen gehen würde. 
Ich gebe allerdings gerne zu, dass ich schon Ende 2012 hätte aufhorchen müssen, als ich festgestellt habe, mit welcher Verve die Frankes den Gratisrollenspieltag unterstützt haben. So handelt man eigentlich nicht, wenn das einzige System im Verlag sich in Todeszuckungen windet.
Nun – nach dieser überraschenden neuen Info sah ich es als meine „Chronistenpflicht“ an – okay, ich war nur verdammt neugierig – den Frankes, die ich von den Planungen des GRT 2013 noch als äußerst freundlich abgespeichert hatte, eine Mail zu schreiben und einfach nachzufragen. Wie das Leben so spielt, hatte ich heute – 3 Tage nach dem kurzen Mailaustausch – ein fettes Paket im Briefkasten.
Ich habe den Inhalt mal für euch geknippst und hochgeladen (was mich schon fast an die Grenzen meines technischen Verständnisses bringt). Ihr könnt deutlich sehen: MIDGARD 5 EXISTIERT!!!! Diese Fotos heben es schon mal mindestens eine ganze Ebene über den Yeti oder den Großen Alten Cthulhu.

Neben coolen Gimmicks wie einem ganzen Satz an Postkarten (je 2 von Folko Streese, Verena Schneider und Nele Klumpe) und zwei Kulis waren dann doch auch zwei Bücher von recht sportlichem Umfang enthalten:

  • Der Kodex (210 vollfarbige Seiten mit der Erschaffung von Kriegern und Zauberern – Kampfregeln, Erfahrungsregeln, Fertigkeitsregeln sowie einem kurzen Weltenhintergrund und ein Bestiarium)
  • Das Arkanum (ebenfalls 210 Seiten – hier dreht sich aber wie der Name schon vermuten lässt, alles um die magischen Klassen: Druide, Hexer und Schamane – dazu gibt es für Spielleiter noch alle möglichen magischen Gegenstände, Schutzrunen…)

Beide Bände kann man auf jeden Fall in Branwens Basar käuflich erwerben. Man bekommt sie sicher auch anderswo, aber ihr wisst ja wie gut es den Verlagen (gerade den kleineren) tut, wenn man sein Material direkt bei ihnen bezieht.

Ich habe noch ein extrem sympathisches Gimmick gefunden: In beiden Büchern sind hinten (PER HAND!!!) Codes eingeklebt. Wenn ich mich nun bei Branwens Basar anmelde, kann ich meinen Code dort eingeben und kann das PDF des jeweiligen Buches KOSTENLOS runterladen. Anscheinend scheinen über diese Codes in Zukunft auch weitere SPielmaterialien kostenlos zur Verfügung gestellt werden.


Ich wiederhole – Es gibt die PDFs der Regelwerke kostenlos dazu!

Ich werde mir die Bücher natürlich die Tage mal genauer ansehen müssen, um zu schauen, ob es irgendwelche wirklich „krassen“ Änderungen gibt und/oder ob es besondere Hilfestellungen für Anfänger gibt – was ja bekanntermaßen den Midgard-Machern bei aller „Antiquertheit“ sehr am Herzen liegt…

Happy Birthday, Gary!

Heute hätte Gary Gygax, der Vater des „modernen Rollenspiels“ Geburtstag und würde heute 73 Jahre alt. Das gibt mir kurz die Gelegenheit über seine Verdienste und die „Heldenverehrung“ der Rollenspielpioniere in Deutschland zu kommentieren.
Im englischsprachigen Raum (man muss sich nur die „Gastrolle“ – siehe links oben – in Futurama ansehen) sind sich viele noch der Verdienste eines der beiden Urväter (neben Dave Arneson) bewusst, während einem in Deutschland selbst dann, wenn sich das Gegenüber schon jahrelang mit Rollenspiel befasst, meist entgegnet wird: „Gary wer?“ oder im schlimmsten Falle: „Klar, aber was hat der Kerl schon für mich und meine Runde getan?“
Schade eigentlich, denn Gary hat nicht nur im Jahr 1974 die ersten „modernen“ Rollenspielregeln veröffentlicht, die im Prinzip auch heute noch die Grundlage, sprich: die Idee hinter, unser aller Hobby ist. Er war auch ein überaus netter Kerl, der sich zwar seiner Rolle irgendwie bewusst war, sie aber immer mit einer gewissen Bescheidenheit hingenommen hat. Wurde er nach Regelerklärungen gefragt, hat er zwar immer nach bestem Wissen und Gewissen geantwortet, aber auch darauf hingewiesen, dass es im Prinzip völlig egal ist, was er zu der Regel zu sagen hat, denn entscheidend ist, was der jeweilige Spielleiter es hält.
Zudem war er echt ausgesprochen freundlich, wie ich aus etlichen E-Mails aus erster Hand weiß, und bis kurz vor seinem Tode war sein Haus während diverser in Lake Geneva stattfindender Cons – zuletzt die Troll Con – Anlaufpunkt für interessierte Rollenspieler (auch völlige „Niemande“ wie ich es gewesen wäre) und es wurde gespielt, gefeiert und gequatscht. Hier ist ein schickes Tribute-Video…
Doch zurück zur Ignoranz gegenüber den „Gründervätern“ in Deutschland – so sind nicht nur Gygax und Arneson vermutlich 98% der Rollenspieler unbekannt, sondern auch die erste Welle der deutschen Rollenspielschaffenden (seien es Kiesow oder die Frankes), erhalten irgendwie nicht den Respekt, der ihnen meiner Meinung nach zusteht. Okay, einer hat mit dafür gesorgt, dass das größte System in Deutschland immer den leicht schalen Nachgeschmack von „Spieler erziehen“ und „Geschichte nachspielen“ hatte und die anderen haben das erste deutsche Rollenspiel für Oberstudienräte über die Jahrzehnte nicht so entwickelt, wie es vielleicht angemessen gewesen wäre, aber sie alle sind dafür verantwortlich, dass Mitte der 80er das Rollenspiel in Deutschland geboomt hat und dass er jetzt zahllose Mitt- bis End-Dreißiger gibt, die weiterhin die Fahne des Rollenspiels hochhalten und an den Spitzen der Verlage und als Autoren weiter dafür sorgen, dass die Rollenspiellandschaft heute in Deutschland so vielfältig ist, wie noch nie.
Auch wenn man diese nicht von der amerikanischen D&D-Seite oder der deutschen DSA/Midgard-Seite her kommen, sondern sich eher auf Stolze, O’Sullivan, Wick oder sonstwie heißen, berufen, so kann man sicher sein, dass Letztgenannte ihre coolen Ideen ganz sicher nicht aus dem All empfangen haben, sondern ältere Systeme gespielt haben und aus diesen Elemente oder Strukturen (und mögen es auch noch so wenige sein) übernommen haben und andere Teile als für ihr Spiel unpassend empfunden und rausgeworfen haben.
Die rhetorisch mit „Gar nix!“ beantwortete Frage: „Was hat denn Gygax für mich und meine Spielrunde getan? Wir spielen doch FATE?“, ist also etwas kurzsichtig und somit umso ärgerlicher.
In diesem Zuge finde ich es auch etwas schade, dass Ulisses sich dazu entschlossen haben, in den neueren DSA-Publikationen die Kiesow-Widmung rauszunehmen. Ich bin wahrscheinlich der Letzte, der in irgendeiner Form Kiesow klasse findet, aber ich fand diese Widmung immer eine schnuffige (aber absolut ehrliche) Verneigung vor einem der Gründerväter des Rollenspiels in Deutschland.
In diesem Sinne: Vielen Dank dafür, dass du die Grundlagen für ein tolles Hobby geschaffen hast, Gary!