[Interview/Crowdfunding] Michael Grassl – Subversion (Polyfeder)

Pünktlich etwa zur Halbzeit des Crowdfundings von Subversion habe ich mir mal den Kopf hinter dem Projekt gefragt und ihn für euch ausgequetscht.

> Hi, Michael. Du hast ja vor Kurzem einen Rollenspielverlag gegründet und direkt mal ein Crowdfunding an den Start gebracht. Aber dazu später. Woher könnten dich die Leser*innen kennen?

Entweder über meinen Shadowrun-Podcast, Schattenläufer, den ich seit September 2021 betreibe, oder über meine Tätigkeit als Autor und Übersetzer für Shadowrun, wo man meinen Namen mit viel Suchen im Impressum finden kann. Wer ganz tief gräbt, kann eventuell noch Verbindungen zum Tübinger Rollenspieleverein oder dem Göppinger Rollenspielclub ausgraben.


> Ja, den Podcast höre ich auch gerne, obwohl ich seit bestimmt 25 Jahren kein Shadowrun mehr gespielt habe. Aber nun zum Verlag. Erzähl mal. Wie kamst du auf den Namen? Was bedeutet er? Weshalb gründet man einen Rollenspielverlag? …?

Zuerst einmal: Weder für den Verlag, noch für den Namen bin ich allein zuständig, ich bin lediglich jener, welcher namentlich bei Ämtern oder Interviews in Erscheinung tritt. Für den Namen hatten wir einen recht langen Prozess, wo erst gebrainstormt wurde und dann durch Veto- und Pro-Stimmen Schritt für Schritt unser Name herausraffiniert wurde. Der Name ist ein Kofferwort aus mehreren Bedeutungen. Zum einen steckt der mathematische Begriff Polyeder, also Vielseiter darin, also unseren bekannten Würfel W4, W6, W8, usw … Der Würfel ist ein Symbol unserer Gemeinsamkeit im Rollenspiel. Gleichzeitig rollt ein Würfel nunmal nur gut, wenn er vielseitig ist und das sind wir auch. Jethey im Verlag bringt eine Facette mit und bereichert uns. Dass auch im Logo die Feder drinsteckt und Polyeder zu PolyFeder macht, ist auch kein Zufall. Die Feder ist Zeichen der schreibenden Zunft und jethey im Verlag hat ein eigenes Schreibprojekt. Romane, Illustrationen, Spiele, Settings oder einfach die Liebe zum Fantastischen – vielseitig eben! Poly heißt viel und wir sind viele, die schreiben.


> Neben dem Crowdfunding zu dem wir gleich kommen – gibt es sonstige neue Systeme, die du im Blick hast? Egal ob Übersetzung oder Eigenprodukt?

Es ist immer schwierig, Dinge anzukündigen, die in der Zukunft kommen sollen, denn wir alle kennen ja den Spruch „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!“ Wir haben aktuell zwei namhafte Lizenzen zur Übersetzung im Auge und wir haben zwei eigenständige Rollenspiele, zwei Brettspiele, einige Setting-Bände in der Planungsphase. Zudem gibt es noch einiges für und um Subversion herum, wie das Kochbuch für Neo Babylon, der TableTop-Skirmisher „Gangs of the Undercity“, die Anthologie „Nächte von Neo Babylon“, die gegebenenfalls und deutsche Kurzgeschichten ergänzt wird und vieles mehr. An Ideen fehlt es nicht und sollten unseren Projekte Anklang finden, wird es ständig Nachschub geben.

The full Monty – (Co) Polyfeder


> Kommen wir aber endlich zu dem, was mich persönlich gerade interessiert.  Ich habe ja das Ohr am Puls der Szene (Nein, du bist nicht gemeint, „DasOhr“!) und konnte mitbekommen, dass du das Crowdunding mehrfach starten musstest – und Überraschung – danach werde ich dich nicht fragen. Dann mal los? Welches System kommt da auf uns zu und weshalb sollten wir alle zuschlagen?

Nun, Subversion ist als Regelsystem sehr streamlined und dennoch kann man alles abbilden, was in den Spielsitzungen vorkommt. Es gibt nur einen Würfelmechanismus, der mit maximal 5 Modifikatoren variiert wird und das gilt für alle Würfe. Viel wichtiger ist das Spielgefühl. Statt mit seiner Figur persönlichen Progress „from Zero to Hero“ zu machen, damit man das Dunkeln der Stufe 4 machen kann, wo man Loot und EXP findet, so dass man anschließend ins Dungeon Level 5 kann, spielt man Repräsentanten einer Gemeinschaft, für deren Mitglieder man Verantwortung übernimmt und denen gegenüber man sich auch verantworten muss. So entsteht eine unheimlich enge Bindung an die Spielwelt und die Spielenden entwickeln schnell eigenen Antrieb für Projekte. Die moralischen Werte, die persönliche Agenda und die Ziele der Gemeinschaft geben dabei automatisch eine Roadmap.
Das Regelsystem bestraft zudem gewaltbereites und grausames Vorgehen, denn ähnlich wie in Cthulhu kann man Geisteskraft verlieren, wenn man zu viel Gewalt miterlebt oder gar verursacht.
Die Welt ist eine alternative History, ausgehend von einem von Göttern und Magie durchzogenem Babylonischen Großreich, zu dem später die Technologie als „neue Kraft“ hinzu kam.


> Was gibt es für Stufen, die ich unterstützen kann? Klassisch PDF, Printfassung und limitierte Edition oder gibt es irgendwelche Besonderheiten?

Neben der klassischen Troika aus „nur PDF“, gedrucktem GRW und dem „All-In“ gibt es noch eine kleine Zwischenstufe. An Zusatzprodukten haben wir ein Set aus Spielkarten als Token für die Spielressource Mumm, die gleichzeitig als Kurzregeln für genau den Umgang mit Mumm enthält.  Liebevoll gestaltete Charakterbögen, die wir natürlich auch eindeutschen, ein Subversion-T-Shirt und Miniaturen-Sets für NSC, Friedensrichter und Tiere aus der Welt von Subversion ergänzen das Portfolio.
Im Gegensatz zum ersten Crowdfunding haben wir einige Dinge herausgestrichen. Unter anderem das Subversion-Würfelset. Ich wurde schon oft gefragt, warum wir uns dazu entschieden hatten und der Grund ist simpel. Subversion benötigt ganz handelsübliche 6-Seiter. Klar könnte man ein spezielles Design wählen und die 6 gesondert markieren, aber der Mehrwert ist marginal. Rollenspieler haben ohnehin genug Würfel und sollte jemand spezielle Subversion-Würfel brauchen, dann findet sich eine so große Auswahl, dass wir ohnehin nicht mithalten können.


> Und für die Raffhälse unter uns- gibt es irgendwelche Zusatzziele, die erreicht werden können? Sowohl durch hohe Unterstützungssummen als auch durch Community-Arbeit?

Wir haben uns SEHR VIELE Zusatzziele ausgedacht, die viel zu schade sind, sie ungenutzt wegfallen zu lassen. Wir haben unter anderem vom amerikanischen Lizenzgeber Fragging Unicorns die Freigabe, ein eigenes Setting für die Region Deutschland zu gestalten. Das möchte ich persönlich sehr gerne verwirklicht sehen. Sollte es als Zusatzziel im Rahmen dieses Crowdfundings nicht realisiert werden, findet man da gegebenenfalls andere Wege.
Auch haben wir ein paar namhafte Autoren gewinnen können, eine Kurzgeschichte für Anthologie „Nächte von Neo Babylon“ beizusteuern. Und Martin Schroer steht schon bereit für einen kompletten Soundtrack. Du siehst, es gäbe mehr als genug.


> Als Mitorganisator des GRT finde ich es übrigens klasse, dass du uns direkt das Abenteuer Essen ist Leben ins Paket gelegt hast. Weshalb hast du mit deinem frischen Verlag direkt mal den GRT unterstützt, obwohl dich das noch nur Geld kostet und du keinen direkten Nutzen davon hast?

Der GRT-Beitrag – (Co) Polyfeder

Nun, ob es was bringt, weiß man ja nie. Aber man muss es doch wenigstens versuchen. Wenn man an sein Produkt nicht glaubt, dann muss man das ganze eben sein lassen. Wir haben ohnehin schon viel Zeit, Arbeit und Geld in das Produkt gesteckt. Wenn es sich nicht auszahlt, dann hat es wohl nicht sollen sein.


> Ach, bevor ich es vergesse. Wann endet denn das Projekt? Also bis wann können wir noch unsere Kreditkarten glühen lassen?

Das Crowdfunding endet am 13. März um 20:00. Aber natürlich werden wir auch danach noch auf Messen und Tons präsent sein und unsere Produkte über den Handel zum Kauf anbieten.


> Danke, dass du mir so geduldig Rede und Antwort gestanden hast und alles Gute für Subversion und alle weiteren Projekte.


Ich danke dir für das Interview!

P.S.: Wenn ihr schon so weit gelesen habt, könnt ihr auch gerne wieder ganz hoch scrollen und den Link zum Crowdfunding zumindest mal anklicken…

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