[Rezi] Wächter der Lüfte (FF-Spielbuch ueberreuter)

Oha. Mit dem mir eher durch Kinder- und Jugendbücher bekannten ueberreuter-Verlag, haben wir einen neuen Player in der deutschsprachigen Spielbuchszene. Lange ist es her, dass Thienemann und Goldmann die Fighting Fantasy-Serie in den deutschsprachigen Raum gebracht haben, aber jetzt gibt es wieder frisches Spiel-Futter mit Wächter der Lüfte.

Ich würde ja fast behaupten wollen, dass das 40jährige Jubiläum der Reihe uns das Vergnügen beschert hat, aber ich vermute eher, dass der Nachname der Autorin – Pratchett – nicht eben einen unerheblichen Beitrag geleistet haben dürfte. Aber, Freund*innen der gepflegten Spielbuch-Unterhaltung, es besteht Hoffnung, dass sich da zukünftig neben Mantikore noch ein weiterer Verlag bemühen wird, denn ich habe natürlich in Windeseile beim Verlag nachgefragt und zumindest ein weiteres Buch der Fighting Fantasy-Reihe (guess which one) wird in absehbarer Zeit auf Deutsch erscheinen. Ich hoffe doch sehr, dass wir alle für uns und alle Kinder in der weiteren Umgebung ordentlich kaufen und die beiden Bücher ein so großer Erfolg werden, dass wir die ganze Reihe sehen werden.

Als Vorbereitung dürft ihr euch gerne noch meinen letzten Artikel zu Fighting Fantasy ansehen – besonders interessant ist da der letzte Satz…

Disclaimer: Ich hatte mir schon den englischen Band gekauft, der deutsche ist ein kostenloses Rezensionsexemplar.

Wächter der Lüfte

  • Autorin: Rhianna Pratchett
  • Übersetzerin: Nadine Mannchen
  • Illustratorin: Eva Eskelinen
  • Verlag: ueberreuter
  • Aufmachung: broschiertes Taschenbuch, 287 Seiten, 400 Abschnitte
  • Erscheinungsjahr: 2022 (engl. 2020)
  • Preis:14,95 Euro
  • ISBN: 978-3-7641-5224-6

Gestaltung

Schöner Umschlag mit putzigem Katzenflugtier, Flugstadt und Blitzen, auf der Rückseite eher eine Unterwasserlandschaft. Was erwartet uns denn hier? Ein kurzes Durchblättern in Verbindung mit dem Umschlag zeigt, dass hier insgesamt eher auf ein jüngeres Publikum geschielt wird, nicht auf uns uralte Rollenspielveteran*innen. Sehr gut. Prima Ansatz. und besonders knuffig finde ich den Ausdruck „Du-entscheidest-selbst-Abenteuer“.

Im Inneren gibt es eine kurze und gut verständliche Einleitung, dann den Spielteil und dann am Ende die Regeln, die schnell erklärt sind – Ausdauer, Geschick und Glück.

Drei sehr positiv zu bewertende Elemente sind die Sprache, denn die Übersetzung ist wirklich sehr schön gelungen und richtet sich fast noch einen Tacken mehr an jüngere Leser*innen als das Original, dann noch die oberen rechten Ecken, wo auf einen Blick zu sehen ist, welche Abschnitte sich auf der Doppelseite befinden, sowie die Umschlagklappen vorne und hinten, die ihr statt des Daumens in das Buch leg… äh, ich meine natürlich, die ihr einlegen könnt, wenn ihr eine Lesepause macht.

Inhalt

Wir spielen eine*n Rekrut*in der Himmelsgarde und zu Abenteuerbeginn dürfen wir nicht mit zu einem großen Event, ärgerlich, dass wir unserem Kommandanten seine Gleiter holen müssen -aber dann doch umso besser, denn so überleben wir den Absturz der fliegenden Insel Nimbus und sind in der Folge die letzte Hoffnung der Garde, um zu klären, was hier gewaltig schiefgelaufen ist. Hat etwas vom ersten Johnny English-Film: etwas trotteliger Underdog ist letzte Hoffnung der Zivilisation, nur in weniger witzig, aber mit viel mehr Fantasie.

Nun beginnt eine atemlose Hatz über verschiedene dieser schwebenden Inseln (Sundered Skies Setting für Savage Worlds, ihr Rollenspieler*innen?), eine für Landwirtschaft, eine für Handel, eine Wasserinsel und und und. Auf dieser Reise treffen wir etliche Monster, feindliche Kobolde, Freund*innen und alles Mögliche dazwischen. Es ist immer schwer zu entscheiden, wem vertraut werden kann und wer eine*n in den Abgrund schleudern will.

So stolpern, rätseln, kämpfen, wieseln wir uns durch eine großartige und abwechslungsreiche Geschichte, die alle Altersstufen mitreißen dürfte und die immer dazu motiviert, den gesamten Komplott aufzudecken und herauszufinden, was da passiert ist und wer Nimbus in die Tiefe gerissen hat. Ich wollte eigentlich nur in das Teil reinlesen, dann morgen nochmal spielen, um die Besprechung zu schreiben, aber so konnte ich gar nicht aufhören und musste Abschnitt 400 erreichen, bevor ich das Buch aus den Händen legen konnte.

Es hat viel Spaß gemacht, beim Lesen die zahlreichen (vermeintlichen) Inspirationen herauszuspüren – so hatte ich Momente solch unterschiedlicher Franchises wie Star Wars, Drachenlanze, Stadt der träumenden Bücher, Sundered Skies,..

Gerade der letzte Abschnitt, wenn ich alle „Inseln“ bereist habe und ich der Tüftlerin Matix sowohl Dingeling, als auch Dingsbums und Dingsda gebracht habe, damit sie mir die Nauplius reisebereit macht, und es unter Wasser geht, hat dann noch die letzten Tim und der Haifischsee – und 20000 Meilen unter den Meeren-Vibes, um mich endgültig für sich einzunehmen.

Zwei Rätsel sind mit ganz besonders aufgefallen, denn einmal gilt es eine Erkenntnis aus der Lebenswelt anzuwenden, um auf des Rätsels Lösung zu kommen, was ich persönlich gerne mag, was aber oft in Spielbüchern kritisch gesehen wird. Zum Anderen gibt es ein Rätsel, wo ich eine Zahlenfolge vervollständigen muss, wobei die nächste Zahl der Reihe der Abschnitt ist, bei dem ich weiterlesen muss. Auch schwierig, gerade für Jüngere. Aber hey, bei beiden Rätseln gibt es Hilfestellungen und so ist es nur die Kirsche auf der Torte, wenn ich direkt und ohne Hilfe auf die Lösung komme.

Fazit

Respekt. Da hat Frau Pratchett aus dem Stand ein tolles Fighting Fantasy-Buch fast ohne unfaire Stellen geschrieben, das in seinen besten Momenten von der Stimmung her etwas an die Stadt der träumenden Bücher erinnert. Auch der Mechanismus mit den zu notierenden Stichwörtern ist wirklich sinnvoll und hilft vergesslichen Leuten wie mir öfters aus der Patsche.

Sprachlich ist die Zielgruppe „young adult“ würde ich sagen, aber die Welt ist so voller Wunder und toller Begegnungen, dass auch wir alten Menschen, die wir schon mit Kassiopeia Skat gespielt haben, toll unterhalten werden.

Der Schwierigkeitsgrad ist absolut in Ordnung. Es ist herausfordernd, aber nicht so frustrierend wie klassische Teile dieser Serie, wo es auch schonmal tödlich sein kann, wenn ich links statt rechts gehe. Würfelglück gehört hier absolut dazu, denn es gibt zahlreiche – auch sehr knackige – Kämpfe und etliche Geschick-Proben, die es zu bestehen gibt.

Fazit des Fazits: Wundervoller erster Teil einer hoffentlich langen Reihe und ich mag es immer sehr, wenn nicht nur alte, weiße Männer an solchen Kult-Projekten beteiligt sind und wenn ihr weiter oben genauer nachgelesen habt, werdet ihr feststellen, dass „wir“ hier komplett außen vor waren. Super. Weiter so!

Bewertung

4,75 von 5 Ingwer-Sahne-Hörnchen

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