Rezension: THE STALK (Rob Kuntz – Pied Piper Publishing)

The Stalk – Rob Kuntz – Pied Piper Publishing – $11,95
(13 Seiten – 1 S. Einleitung – 7 S. Abenteuer – 1 S. OGL – 1 S. neue Karte – 2 S. Kopien der Manuskripte – 1 S. farbge Originalkarte)

DESIGN/LAYOUT: 3/10
Das Modul ist nicht gebunden, sondern besteht aus Einzelseiten, die in einer Plastikhülle stecken. Die Limitierung besteht aus einem kleinen Schriftzug „10/300 RJK“ und ist zudem noch verschmiert. Die Coverzeichnung ist wirklich nett, das Cover ist aber vom Layout her unterirdisch und der Schrifttyp ist sehr unglücklich gewählt. Das Innere ist vom Layout her absolut uninspiriert und es findet sich keine einzige Illustration im Abenteuer-Inneren. Einziges Design-Feigenblatt ist die Bordüre in der Kopfleiste, die wirklich nett, aber völlig unnötig ist.

Positiv ist anzumerken, dass die Originaldokumente mitgeliefert werden. Das ursprüngliche Manuskript kommt in Form zweier Kopien daher, die ursprüngliche Karte wird sogar als Farbkopie mitgeliefert.

SPIELWERT: 6/10
Gerade historisch sind Rob Kuntz‘ Kommentare zur Genese der Greyhawk-Welt, die hier aus Copyright-Gründen nur OC (Original Campaign) genannt wird sehr interessant – alleine wegen dieser kleinen „Asides“ lohnt sich der Kauf des Abenteuers schon.
Das Abenteuer ist für das ursprüngliche D&D geschrieben, kann aber ohne große Probleme mit allen D&D-Fassungen bis hin zu AD&D 2. Edition (und den passenden Klonen) gespielt werden.
Dieses Abenteuer hat den Sinn die mächtigen Charaktere (etwa Stufen 9-12) dazu zu zwingen an einem festgelegten Ort zu bleiben, selbst wenn sie sich gerade in der Wildnis befinden und eigentlich alle Gefahren umschiffen könnten (etwa mit Drachen, auf Flugteppichen…).
Wenn die Charaktere die Ranke erst einmal betreten haben, ist ihr einziges Ziel zu Überleben und der Umgebung zu entkommen. Dazu müssen sie die unterschiedlichsten Monster aus dem Weg räumen und herausfinden, wie einige gefundene Gegenstände eingesetzt werden müssen. Die 18 Orte mit Begegnungen sind nicht einmal beschrieben, es wird nur das jeweilige angetroffene Monster mit Statistiken angegeben.
Wie man am Originalmanuskript sieht, ist das Abenteuer sehr „fleischarm“ und passt locker auf 2 Din A4 Seiten.

Zugegebenermaßen sind die Monster sehr gut aufeinander abgestimmt und passen gut in das „grüne“ Setting. Ein definitiver Pluspunkt!

PREIS-LEISTUNGS-VERHÄLTNIS: 3/10
Für $11,95 bekommt man 13 kopierte Seiten und eine Farbkopie, sowie eine Pappseite als „Unterseite“. Nicht sonderlich beeindruckend. Das wären in meinen Augen lediglich 1/10 Punkten.
Allerdings muss man zugeben, dass das Sammlerpotential des Artikels doch beträchtlich ist. Vielleicht ist nach eine rausverkauften Auflage die Chance da, den ursprünglichen Kaufpreis zu verdoppeln…

ENDERGEBNIS/FAZIT: 4/10
An der Geschichte von D&D Interessierte sowie Sammler können zugreifen, der „durchschnittliche“ Spielleiter kann vielleicht die Grundidee ausschlachten, dürfte aber sonst keinen großen Gewinn aus dem Produkt ziehen.

4E – Dungeon Delve

Ich bin hin- und hergerissen und habe immer noch keine Ahnung was ich von diesem Produkt halten soll! Dieses DUNGEON DELVE von Wizards of the Coast ist für mich eine ganz merkwürdige Sache. Ist sie ein Schritt in die richtige Richtung oder ein fürchterlicher Rückschritt, der alles Rollenspielähnliche aus der 4. Edition saugt? Aber von Anfang an:

Anders als auf dem deutschen Markt waren Dungeons nicht jahrzehntelang verpöhnt, so dass man bei diesem Buch nicht von einem Dungeon-Revival oder Ähnlichem reden kann, es trifft lediglich zeitlich auf den deutschen DSA Dungeonband oder etwa das „neue alte“ deutsche Rollenspiel Dungeonslayers.

Was ist also DUNGEON DELVE? Auf 191 Seiten eines schicken Hardcovers (dessen Seiten aber wie bisher alle amerikanischen 4E Produkte merkwürdig gewellt sind) gibt es 30 kurze Dungeon Crawls – einen für jede Stufe. Diese kurzen Szenarios bestehen jeweils aus 3 Begegnungen und sind alle so ausgelegt, dass sie mit offiziellen Dungeon Tiles gespielt werden können.

Ich versuche mal meine Gedanken zu sammeln und meine Verwirrung zu erklären:

Ich finde an diesem Produkt gut:

  • den Gedanken wettbewerbsorientierte kurze Dungeon-Abenteuer zu veröffentlichen
  • Spielern und Spielleitern diese Idee der fairen Wettbewerbsorientierung nahe zu bringen
  • völlig settingfreie kurze Abenteuer zu veröffentlichen, die man mit exakt NULL Minuten Vorbereitungszeit auf die Spieler loslassen kann
  • Spielern (und Spielleitern) die Angst davor zu nehmen, dass man sich nicht ohne große Hintergrundgeschichte und intrinsischer Motivation einfach mal in ein kurzes Abenteuer zu stürzen
  • Zu jedem kleinen Abenteuer gibt es weitere Ideen, wie es fortgeführt werden kann.
  • dass es Herausforderungen für jede Stufe gibt – auch wenn das wohl gerade für die höheren Stufen aufgrund mangelnder Erfahrungen wohl kaum jemand beurteilen kann
  • dass es Anfängergruppen viele Hilfen mit auf den Weg gibt. Von der exakten Platzierung der Monster bis hin zu ihren Strategien ist alles angegeben.

Ich finde an diesem Produkt unerträglich:

  • fürchterlich schematisches Abarbeiten von aneinandergeklebten Begegnungen
  • immer der gleiche Aufbau, der einen in ein enges Korsett presst
  • es wird viel zu viel an Informationen vorgekaut – man kann endlich ohne Kreativität Rollenspiele spielen – TOLL!
  • unerfahrene Spielleiter lernen hier eine ganz füchterliche abgespeckte Fassung von Rollenspiel kennen – werden sie jemals freie, denkende, planende Spielleiter werden können??? (–> Ich belege das später noch mit einem Zitat.)
  • Ganze Regenwälder werden unnötig abgeholzt! Jedes Abenteuer wird auf 6 Seiten präsentiert – immer eine Doppelseite pro Begegnung. Ich könnte mit einem einfacheren System und weniger gängelnden Informationen das ganze Brimborium inklusive einer Karte auf eine Viertelseite bekommen.
ACHTUNG – Ich zitiere:
„In this Delve format, the DM can bypass narration and storytelling to simply concentrate on rules and monsters. It becomes almost a boardgame approach.“

Aua! Sollte das der richtige Weg sein? Wenn ich 30 Abenteuer auf diese Art und Weise gespielt habe, bin ich als Anfänger-Spielleiter so versaut, dass ich mir gar nicht mehr antrainieren kann Wert auf Geschichte oder Freiheit der Spieler zu legen.

ABENTEUERPUNKT 2 ist da!

Astrein! Die deutsche Post arbeitet doch noch relativ zuverlässig und eines der Päckchen, die mich heute an der Türschwelle erwarteten, beinhaltete die langersehnte Ausgabe 2 der „deutschen“ Antwort auf Fight on!

Eines vorweg: Ich liebe dieses schicke kleine Format!

Zum Inhalt: „Nur“ 7 Beiträge auf satten 86 Seiten? Hört sich wenig an, verspricht aber viel Spielspaß für die unterschiedlichsten Geschmäcker.

Die Gefiederte Kralle ist ein Raumschiff für Traveller geschrieben von Tobias Deißler. Ich habe zwar seit gut 15 Jahren kein Traveller gespielt, aber das hier exaktest beschriebene Raumschiff macht auch mir, der ich eigentlich eher in der Fantasy verwurzelt bin, Laune auf mehr. Neben den Eckdaten werden 6 unterschiedliche Decks ausgearbeitet und mit gut gewählten Illustrationen stimmig umgesetzt.

Bei Der Vergessene Tempel des Thaxon handelt es sich um ein Einsteigerabenteuer für Labyrinth Lord von Moritz Mehlem. Dieser sehr untotenlastige Tempel ist aus dem bisher nur auf Englisch erhältlichen Quellenband „Larm“ entliehen.
Lobend hervorheben sollte man die stimmungsvollen Bilder von Andy Taylor und die tolle Karte von Andreas Claren, welche man auch im Original-Old-School-Blau herunterladen kann.

Trolle auf der Wetterspitze ist ein Abenteuer für Legends of Middle-Earth und wurde geschrieben von Clemens Meier. Die Umgebung von Bree wird vermehrt von Trollen angegriffen. Und wir reden hier nicht von ein paar Trollen – insgesamt stehen den Helden 300 Orks, 20 Trolle und 200 böse Menschen gegenüber, welche vom Schwarzen Numenorer Turgurth angeführt werden.
Da muss man sich schon besonders „heroisch drauf“ fühlen oder man versucht die direkte Konfrontation zu vermeiden.
Ganz nebenbei sollte ich noch zugeben, dass ich Clemen‘ Schreibe wirklich gerne lese, da ist auch immer ein Augenzwinkern dabei, so ist man auch als Spielleiter bei der Vorbereitung nicht gelangweilt.

Daniel Hanowski beschäftigt sich mit dem Aventurischen Seehandel. Logo – das System ist DSA. Seit 1986 habe ich meine DSA-Zeit hinter mir, aber der Mechanismus sieht so durchdacht aus, dass man ihn sicher auch für andere Systeme stehlen undanpassen kann.
Daniel geht hier in 5 Schritten vor:
– Marktgröße bestimmen
– Finden eines Anbieters
– Ermittlung verfügbarer Ware
– Einkaufspreis bestimmen
– Käufer finden.
Auch die wirklich gut nachvollziehbare Struktur wird es leicht machen, den Mechanismus auf ziemlich jedes Spiel anzupassen.
Glücklicherweise kann man das „Handelsformular“ auch runterladen, da die abgedruckte Version definitiv zu klein ist, um sie sinnvoll nutzen zu können. (Gleichzeitig ist dies der einzig kleine Wermutstropfen in einer tolle nAusgabe.)

Das Szenario Little Rapids 1878 von Stefan Bohnensack führt uns in den Wilden Westen. Ein bestimmtes System wird bewusst nicht genannt, aber ich werde demnächst mal meine Spieler mit einer Runde Boot Hill pesten und sehen, ob es so funktioniert, wie Stefan es sich vorstellt.
Sehr gut gefällt mir, dass hier ganz in meine persönliche Philosophie passend ein Ort mit Personen und Abenteuerideen vorgestellt wird, in den ich meine Spielercharaktere setzen kann. Auch hier ist es nicht so, dass die Charaktere das Zentrum sind, um das sich das Universum dreht.
Schade, dass es außer der (charmant naiven) Karte von LR und Umgebung keine Illustrationen gibt, ein paar Cowboys, Indianer und Kneipenprügeleien hätte ich schon gerne gesehen.

Allsegeln für Anfänger haut dann so richtig auf den Putz: Jakob Skobe bietet direkt Setting UND Szenario an.
Die Illustration eines Allseglers auf Seite 62 muss ich noch unbedingt hervorheben – da können sich viele Spelljammer-Bilder aus den 90ern ein Scheibchen von abschneiden. Auch die beiden Karten des Sonnensystems sind einfach, aber gut gelungen.

… übrigens dürft ihr dreimal raten, welches verrückte Volk die Allsegelei erfunden hat: natürlich die Gnome!

Spektakulär ist der Detailreichtum, von unendlich vielen Namen, bis hin zu drei verschiedenen Arten auf Seglern durch das All zu reisen.

Diese Liebe zum Detail findet sich dann auch im Abenteuer-Szenario, in dem die Abenteurer auf der „Busena“ nach Thardath reisen wollen, was allerdings nicht so einfach ist, wie es wünschenswert wäre…

Den Abschluss der Ausgabe bildet Der Orden des heiligen Besitzes, der von sich selbst behauptet, eine „Persiflage auf den Fandom-Kult um Memorabilia, Sammelkarten und die Trivialitäten, mit denen wir uns so gerne herumschlagen“ zu sein. Christian Buggedei führt uns in drei Akten durch die Welt der verrückten Sammler. So durchgeknallt das Ganzesein mag, leider erkennt man sich doch immer mal wieder selbst in den Diebesgelehrten von I-Emdebbe. Auch Sidekicks wie Ordenswache „Captain ‚Chuck‘ Donigan“ sind so absurd, dass fast schon scheibenweltartige Abstrusitätswerte erreicht werden.
Die „letzte Stufe der Parodie“ wird dann erklommen, wenn man sich den Ordenstempel ansieht, welcher (sowohl Karte alsauch Inhalt der Räume) mit einem Zufallstool erstellt wurde. Das könnte man als Makel ansehen, oder aber als „konsequent durchgezogenen Unsinn“.

FAZIT:

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