[Spielbericht] Der Kult des goldenen Käfers (Lovecraftesque)

Am 21.11.19 durfte ich an einer gestreamten Runde Lovecraftesque teilnehmen und möchte hier (vielleicht erstmals – ich erinnere mich nicht genau) kurz von der Seifenkiste herab erzählen, was da alles so passiert ist…

Als kurze Vorbemerkung sei gesagt, dass ich zu großen Teilen mitgespielt habe, da ich das Spiel gerne unterstützen würde – da es sich gerade im Crowdfunding befindet und soeben auf die Zielgerade geht. Schade, dass die Seifenkiste nicht mehr so eine große Nummer ist, wie vor 10 Jahren, dann hätte meine Leser das Projekt wohl alleine durch’s Ziel gepeitscht…

Wie ihr wisst, bin ich kein großer Charakterdarsteller und hier handelt es sich um ein reinrassiges Erzählspiel, bei dem kein einziges Mal gewürfelt wird. Ende des Werbeblocks – seht euch einfach die Verlags-Homepage an, wenn ich gleich mit meinem Spielbericht euer Interesse geweckt haben sollte. Derzeit könnt ihr euch die Runde scheinbar noch auf Twitch ansehen – keine Ahnung, ob das in Folge auch bei Youtube bereitgestellt wird. We’ll see.

Um es mit meinem italienischen Freund Mario zu sagen – letsa go!!! Überraschenderweise gab es von meiner Seite aus keine technischen Probleme und die anderen waren da als Veteranen ohnehin nicht verdächtig Probleme zu bereiten. So hatte pasuht im Hintergrund technisch alles im Griff, Der Verlag in Person von Dyn sprach ein paar einleitende Worte und bäm! wurden wir alle ins kalte Wasser geworfen.

An meiner Seite hatte ich Thorsten P., den Übersetzer des Spiels, der (da es keine Spielleitung gibt) nicht spielleitete, aber uns regeltechnisch durch die Runde führte und ansonsten ganz normaler Mitspieler war, den echt beeindruckend gut in Charakter spielenden David und die perfekt aufgelegte und mehr als fantasievolle Nacchi. Okay, ich kam mir von Anfang an etwas grobschlächtig vor, hoffe aber, dass ich mich einigermaßen gut geschlagen habe.

Die „Regeln“ sind schnell erklärt: Wir einigen uns auf ein grob beschriebenes Setting, erzählen dann in den rotierenden Rollen: Erzählerin, Zeugin und Beobachterin 1 + 2 durch 5 Szenen, an deren Ende der Abstieg ins Dunkle beginnt. In weiteren (bis zu 3) kürzeren Szenen geht es dann immer rasanter werdend auf den großen Schlusskonflikt zu. Anschließend kann man kaum noch durchatmen, denn es folgen 15 kurze Fragmente, in denen immer nur eine Person wahlweise Erzählerin, Zeugin oder Beobachterin ist. Danach ist die Zeugin tot, wahnsinning, lebt noch… und es folgt ein Epilog, der die Folgen der Geschichte auf die Menschheit zeigt… (Okay, es gibt noch Details – so wird sich nach jeder Szene auf ein weiteres Merkmal der Zeugin geeinigt, dass alle Mitspielenden sich ein immer besseres Bild machen können.)

Für mich DER Mechanismus des Spiels, besteht aber darin, dass jede Szene mit einem Hinweis endet. Dieser Hinweis ist ein in irgendeiner Form mysteriöses Geschehen und die Mitspieler*innen spekulieren jede*r für sich, was es mit diesem Hinweis auf sich haben könnte. Durch diesen Kniff entsteht in jedem Kopf eine eigene Geschichte, die man immer weiter an das weitere Geschehen anpassen muss, bis es zum großen Showdown kommt.

So sah mein Erzählraster aus – plus meine initialen Notizen…

Jetzt aber los: Wir einigten uns auf die Heldin Margaret Greenborough im Neuengland der 1920er jahre. Sie ist langjährige Studentin und Bibliothekarin an der Universitätsbibliothek. An Orten erwähnten wir direkt zu Beginn die Bibliothek, das unterirdische Archiv, den Friedhof, ein Wohnheim und eine Höhle auf dem Campus (wobei letztere überhaupt nicht keine Rolle mehr spielte).

Maggie Greenborough – (co) Mario Bühling @maobul

Außerdem erdachten wir eine Quelle der Kraft – ein ledergebundenes Notizbuch ihrer Tante Amalie, das ihr in Zeiten der Not gute Dienste leisten könnte – aber auch das spielte im Laufe der Geschichte keine Rolle mehr.

Zum Einstieg zeige ich euch meine Notizen zu den einzelnen Szenen, dann erhaltet ihr gleich einen guten Eindruck, wie die Geschichte sich entwickelte und was in meinem Kopf vorging. Super-interessant war es dann auch, im Anschluss abzugleichen, was wir alle uns so vorgestellt hatten.

Die Szenen…

Okay. Mechanisch wisst ihr nun alles – ich erzähle mal grob, was Maggie so alles mitmachen musste: Die Geschichte begann wenig spektakulär. Sie suchte im Archiv ein Buch für einen ihr unbekannten Professor, wurde abgelenkt von einer Woge von Insektenkörpern, die in eine Ecke des Archivs strömte. Es gelang ihr einen der Käfer mit einem Poe-Buch zu erschlagen und mit an ihren Platz zu nehmen, um ihn genauer zu betrachten. Als ihr Kollege Andrew Smith hinzukam, war das goldene Insekt allerdings verschwunden. Um den Kopf freizukriegen schlenderte sie nachts über den Friedhof (logisch wohin sollte man sich sonst auch wenden) und stellte fest, dass die Tür eines Mausoleums geöffnet war – darin hörte sie zuerst krabbelndes Kratzen, dann das Zerschmettern einer Steinplatte. Auch der goldene Käferflügel im Türschloss trug nicht zu ihrer Beruhigung bei. Sie versuchte erfolglos, sich beim hosenlosen Hausmeister Hilfe zu holen (Wow! Ein unbeabsichtigtes Alliterationen-Feuerwerk). Im Wohnheim traf sie aber auf Andrew, der sie zum Mausoleum begleitete. Warum, bitte sehr, lag in Andrews Zimmer das Buch, das Professor Johnson aus dem Archiv bestellt hatte?

Im Mausoleum war nur noch festzustellen, dass ein Sarg geöffnet worden war und an seinem Boden eine Treppe in die lichtlose Dunkelheit führte, dann wurde ihr schwarz vor Augen.

[Einschub] Sorry, aber an dieser Stelle war es für mich sonnenklar, dass Andrew und der Professor Teil eines Käferkultes waren und ein schlimmes Spiel mit Maggie spielten – gerade, dass ihr gerade zu diesem Zeitpunkt schwarz vor Augen wurde, erhärtete diesen Verdacht! Ich sage nur: „Andrew hat mich betäubt! Die Sau!“ Total interessant, wie sich die Geschichte verselbständigt hatte – ich hatte bisher meinem Empfinden nach nur wenige Elemente in die Story eingebracht, dennoch bot sich vor meinen Augen ein völlig klares Bild dar – und vor den Augen meine Mitspieler*innen ein völlig anderes, das wir immer aufeinander anpassen mussten. Das war toll zu erfahren, wie sich da Synergien entwickelten und wie Maggie an ihren Aufgaben wuchs und sich eine immer größere Bedrohung aufbaute.

Maggie wachte im Archiv der Bibliothek auf und kurz schien alles nur ein Traum gewesen zu sein, aber der Glasabdruck auf dem Buch „Arcanum Curiosum“ bewiesen dann doch, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zuging. Maggie nahm sich das Buch mit auf ihre Bude, um es genauer zu studieren. Es handelte von magischen Kulten in der Gegend um Boston. Einer der Kulte zog im Besonderen ihre Aufmerksamkeit auf sich. Eine Farb-Illustration zeigte eine Gruppe Kultisten, die um eine gigantische Statue eines goldenen Käfers herumstand und in ein Ritual versunken zu sein schien – überall krabbelten goldene Käfer. Es durchfuhr sie wie ein Blitz – eines der Gesichter kam ihr bekannt vor.

Ab diesem Moment lief für Maggie wie auch für mich als Spieler alles in kurzen aufflackernden Blitzlichtern statt. David übernahm nach kurzer Absprache das Ruder und plötzlich befand sich Margaret inmitten der Szene auf dem Bild. Allerdings war Andrew nicht das einzig bekannte Gesicht auf dem Bild, auch sich selbst erkannte sie voller Schrecken. Der Rest ist ein einziges Gedankeninferno. Hohepriesterin. Ein Obsidiandolch. Blut. Käfer…

Den Epilog erzählte dann Nacchi und er war ungefähr so, wie ich mir das vorgestellt hatte, nur schöner erzählt. Ja, wenn ich in Zukunft goldene Käfer sehe, werde ich definitiv auf der Hut sein.

ENDE!

Da bleibt mir nur noch, den beiden Orga-Leuten, pasuht und Dyn für Technik und Einladung zu danken! Danke Thorsten für das souveräne Anleiten und deine ruhige Art, die mir immer eine gewisse Sicherheit gegeben hat. Danke David für deine echt schöne Darstellung vor allem in den ruhigeren Momenten und ein paar zustimmende Grinser. Danke Nacchi für deine offene und freundliche Art, deine tollen Ideen und die Tatsache, dass wir scheinbar einige Male den gleichen Unsinn im Kopf hatten…

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